Was ist Cashmere?

Cashmere – dieser Begriff wird mit erstklassigen, weichen und teuren Produkten assoziiert. Die wertvolle Wolle wird ausschließlich von der Cashmere-Ziege gewonnen, die bis vor ihrer Verbreitung in anderen Regionen nur in den Hochebenen des Himalayas beheimatet war. Um den rauen Lebensbedingungen des Gebirges zu trotzen, haben die Ziegen über die Jahrhunderte ein einzigartiges Fell entwickelt: Im Sommer schützt es sie vor Staub und Sonne, im frostigen Winter hat es eine isolierende Wirkung. Die wärmende Haarschicht liegt ganz nah an der Haut und ist der edelste Teil des Fells: der Cashmere.

Die Cashmere-Gewinnung findet nur einmal im Jahr während des Fellwechsels im Übergang von Winter auf Sommer statt. Hierbei werden die Ziegen nicht geschoren oder rasiert, sondern lediglich ausgekämmt. Bei diesem Prozess findet eine erste Selektierung statt: Das feine Unterhaar wird von dem gröberen Deckhaar, dem sogenannten Grannen- haar, getrennt. Das feine Unterhaar stellt nach mehrmaligem Kämmen die wertvolle Cashmere-Rohware dar.

Im nächsten Schritt wird die Rohware nach Farbe, Beschaffenheit und Länge vorsortiert. Die Selektion findet auch hinsichtlich der Qualität statt: Die wesentlichen Faktoren hier- für sind Länge und Feinheit. Je länger die Haare sind, umso feiner wird das später gesponnene Garn und damit auch das Endprodukt. Die Feinheit der Haare ist von großer Wichtigkeit, denn nur Rohware, die einen Durchmesser von bis zu maximal 0,019 Millimetern hat, darf als Cashmere bezeichnet werden. Nur so können die einzigartige Cashmere-Haptik und die hohe Qualität dieses raren Materials weltweit gesichert werden.

Einige Unternehmen, wie FTC Cashmere, haben strengere, interne Richtlinien, um eine noch hochwertigere Qualität zu garantieren. Durch diesen rigiden Kämm- und Selektionsprozess bleiben von den rund 1,2 Kilogramm herausgekämmter Haare pro Ziege circa 300–400 Gramm finale FTC-Cashmere-Rohware übrig.

Ursprung und Geschichte des Cashmere

Cashmere wird seit Jahrhunderten wegen seiner einzigartigen Eigenschaften wertgeschätzt. Dass dieses Material allerdings in Farmen inmitten karger Berglandschaften her- gestellt wird, übersehen viele. Ganze Regionen, wie zum Beispiel die Innere Mongolei, haben sich auf die Produktion von Cashmere spezialisiert. Auch heute noch bestimmen Natur und Tier den Rhythmus der Menschen in diesen Regionen.

Cashmere in seinem Ursprünglichen zu erleben, ist heutzutage nur schwer möglich, denn es erfordert weite Reisen. In den Hochebenen des Himalayas, in der Provinz Ladakh und in Tibet, in der Mongolei sowie der Inneren Mongolei (China) findet man diesen großen Schatz. Die dort lebenden Cashmere-Ziegen produzieren die außergewöhnliche Wolle, dieses weiße Gold, welches unter dem Begriff Cashmere in der ganzen Welt begehrt wird.

Eigenschaften und Qualitätsmerkmale von Cashmere

Cashmere zeichnet sich durch einen angenehmen Tragekomfort und spürbare Weichheit aus. Bevor das Rohmaterial jedoch zu einem solchen Vorzeigeprodukt verarbeitet werden kann, muss es zu einem Faden gesponnen werden.

Hier gibt es oftmals Verwirrung beim Verbraucher, da zwei- bis zwölffädige Qualitäten angeboten werden. Worin liegen hier die Unterschiede? Diese häufig gestellte Frage aus dem Handel und seitens des Endverbrauchers wird oft nicht richtig beantwortet. Cashmere-Haare werden zu einem Garn verdreht und sind dann zunächst einfädig. Durch das Verzwirnen von zwei einfädigen Garnen entsteht dann ein zweifädiges Garn. Werden mehrere zweifädige Garne zusammengedreht, multipliziert sich automatisch die Fädigkeit. Erst wird es vier-, dann sechsfädig bis hin zu dem zwölffädigen Garn. Das Garn bleibt aber immer das Gleiche.

Dies verändert selbstverständlich nicht die Qualität der Haare – dadurch bleibt auch die Qualität der Ware gleich. Das Verzwirnen der Garne erhöht allerdings die Dicke und somit das Gewicht des Produktes. Je mehr Fäden verwendet werden, desto wärmender und schwerer ist das Ergebnis. Somit ist allerdings auch der Warenaufwand höher und das Produkt oftmals teurer. Sehr feine Cashmere-Produkte sind jedoch nicht zwangsläufig günstiger, da dünne und komplizierte Garne während der Produktion sehr leicht reißen und eine lange Produktionslaufzeit haben.

Fazit: Verschiedene Fädigkeiten sagen nichts über die Qualität eines Cashmere-Produktes aus. Vielmehr sind es die Rohware sowie die spätere Verarbeitung, welche den Unterschied zwischen edler und minderwertiger Ware ausmachen. Dicke, mehrfädige Strickmodelle verlangen einen höheren Wareneinsatz. Sehr dünne Cashmere-Modelle sind hingegen delikater in der Verarbeitung.

Pflege des Cashmeres

Als komplexe Faser benötigt Cashmere eine richtige Behandlung, um weich und in Form zu bleiben. Die folgenden einfachen Richtlinien zu befolgen, ist weder aufwendig noch schwierig, garantiert aber lange Freude an Cashmere-Produkten.

Nach jedem Tragen sollten man einem Kleidungsstück aus Cashmere ein bis zwei Tage Ruhe gönnen – am besten sollte es an der frischen Luft durchlüften. Selbst wenn es sich um ein Lieblingsstück handelt, das man eigentlich nie wieder ausziehen möchte, sollte man es nicht zwei Tage hintereinander anziehen.

Unter normalen Umständen reicht es, Cashmere-Kleidung nach vier- bis fünfmaligem Tragen zu waschen. Grundsätzlich ist Cashmere waschbar, außer das Kleidungsstück hat Applikationen oder besondere Verarbeitungsdetails. Gewaschen wird Cashmere am besten in der Waschmaschine im Wollwaschprogramm bei null Grad / Kaltwäsche mit einem speziellen Cashmere-Shampoo. So wird das sensible Material schonend gesäubert. Bei hartnäckigen Flecken empfiehlt es sich, vor der Wäsche etwas Cashmere-Shampoo auf die betroffene Stelle zu geben.

Anschließend trocknen Cashmere-Produkte idealerweise nicht hängend, sondern auf einem Handtuch liegend. So wird vermieden, dass sie sich in die Länge ziehen. Der trockene Cashmere-Artikel sollte noch mit dem Dampfbügeleisen geglättet werden, um ihm eine glatte Optik zu geben und eventuelle Schädlinge zu vernichten. Damit Kleidung aus Cashmere selbst nach vielen Jahren ihre Passform behält, sollte sie möglichst liegend aufbewahrt werden.

Nach mehrmaligem Tragen könnten sich an Produkten aus Cashmere kleine Knötchen bilden, was in der Fachsprache als Pilling bezeichnet wird. Dies stellt keinen Qualitätsmangel dar. Die Knötchen können mit Hilfe eines Pillingkamms vorsichtig entfernt werden. Dieser hilft, die losen, verknoteten Fasern zu lösen und zu entfernen – ohne Rückstände und ohne die weiche Haptik zu beeinflussen.